1922-1926: Die grosse Berner Ära

Schweizermeister 1923, aber ..

In der Saison 1922/23 eilte der FC Bern von Sieg zu Sieg, wurde Meister der Zentralschweiz und erreichte in den Finals gegen die Young Fellows und Servette die grösste Würde, die einem Fussballklub zufallen kann: Bern wurde Schweizer Meister! Die Freude über den Meistertitel war unvergessen. Die Namen der legendären Berner Mannschaft:

Zorzotti; Beuchat, Wenger; Flückiger, Schmiedlin, Schneebeli; Brand, Motta, Afflerbach, Küng, Beyeler.

Doch die Freude über das auf dem Rasen in ehrlicher Weise Errungene war kurz. Die Delegiertenversammlung in Luzern sprach dem FC Bern den Meistertitel wegen einer angeblich verspäteten Anmeldung eines Spielers ab. Der FC Bern verlor den einzigen Schweizermeistertitel am grünen Tisch. Der Entzug des Meistertitels wirkte auf die Spieler wie eine kalte Dusche. Die Saison 1923/24 verlief sportlich erwartungsgemäss schwächer. Der FC Bern erreichte nur mehr den 5. Platz. Dagegen gehörten die Treffen mit ausländischen Mannschaften zu den schönen Ereignissen dieser Zeit. In Wien schlug der FC Bern die damals führende Hakoah vor 25’000 Schaulustigen. Tags darauf erlitt eine müde Berner Mannschaft gegen die gefürchteten Vienna eine 1:2 Niederlage. Im gleichen Jahr, 1924, errang die Schweizer Auswahl an der Olympiade in Paris grosse Erfolge und kehrte als Europameister in die Heimat zurück. Es war ein grosses Jahr für den Schweizer Fussball.

1924: Eröffnung des Stadions Neufeld

Im Sommer 1923 fand die erste Besichtigung der Sportplatzanlage Neufeld statt. In der Folge konnte endlich mit dem Bau begonnen werden. Hunderte von Arbeitern waren auf dem Neufeld tätig. Wenn wir heute das stolze Werk des FC Bern, die prächtige Sportplatzanlage Neufeld, betreten, dürfen wir nie vergessen, den Schöpfern, an ihrer Spitze die Kommissionspräsidenten Utiger und Weibel, dankbar zu gedenken. Die Pläne für das Neufeld entwarf der Architekt J. Nigst, ein Mann, der sich in früheren Jahren verschiedentlich für den FC Bern zur Verfügung gestellt hatte. Bauleiter war Architekt Hans Beyeler, der frühere Akteur der 1. Mannschaft und Schöpfer verschiedener bekannter Anlagen. Für den Bau der Tribüne war Architekt René Ghielmetti verantwortlich. Die Epoche der Entstehung der Sportanlage Neufeld gilt weithin als Phase grosser Entwicklung im FC Bern.

Am 12. Oktober war der grosse Tag: Am Morgen fand die Platzübergabe an den FC Bern und seine Aktiven, die sich vor der Tribüne aufgestellt hatten, statt. Sämtliche für den Bau Verantwortliche sowie die Exponenten des Vereins hielten an diesem denkwürdigen Tag eine Ansprache. Vereinspräsident Hans Schneider schloss seine Ansprache mit den Worten: „Durch Sport und Erfolg zum Wohle der Gesamtheit und zum Gedeihen unseres lieben, schönen Schweizerlandes.“ Der Seniorencaptain Ernst Schenk trat, sichtlich ergriffen, vor die Aktiven und forderte sie auf, durch ein dreifaches „Hipp-Hipp-Hurra“ den Schöpfern, den Beiteiligten und dem Vorstand zu danken. Er legte im Namen der Spieler das Versprechen ab, als wahre Sportsleute immer wieder für den FC Bern einzutreten.

Berner Turniersieg am Eröffnungstag

Am Nachmittag fand vor über 7’000 Zuschauern das Eröffnungsturnier statt. Die beiden befreundeten Klubs, der FC Basel und der FC Servette, stellten ausgezeichnete Mannschaften aufs Feld. Doch es war die Heimmannschaft, die im grossen Stil auftrumpfte: 1:0 gegen Basel und 3:1 gegen Servette. Der FC Bern war stolzer Turniersieger. Ein würdiger Auftakt im Neufeld. Die Begeisterung für den FC Bern kannte fortan keine Grenzen. Die Zahl der Mitglieder stieg innert kurzer Zeit auf 1’100. Die prächtige, damals erste Grossanlage in der Schweiz und die ausgezeichneten Resultate der 1. Mannschaft, die von Sieg zu Sieg eilte, führten den FC Bern zum Höhepunkt seines Bestehens.

1925: Vize-Schweizermeister

Die Euphorie, die der anhaltende Mitgliederzuwachs, die vorzüglichen sportlichen Resultate der 1. Mannschaft sowie das prächtige Neufeld-Stadion mit sich zog, mündete 1924/25 erneut in eine unvergessliche Spielzeit. Der FC Bern war so nah am Titel wie nie zuvor. Unter dem Zepter von Präsident H. Schneider schnitt man in der Gruppenphase gar noch besser ab, als zwei Jahre zuvor. Der FC Bern wurde Meister der Gruppe Zentralschweiz, drei Punkte vor dem FC Aarau, und verdiente sich das Diplom „Champion Zentralschweiz.“ Im ersten Finalspiel im Neufeld-Stadion wies der FC Bern die Young Fellows mit 4:2 in die Schranken. Im alles entscheidenden Spiel in Genf gegen Servette verlor der FC Bern am 7. Juni 1925 denkbar knapp mit 0:1 und beendete das Finalturnier einen Punkt hinter dem späteren Meister aus Genf.

Cupfinal in Zürich gegen die Grasshoppers

Ab 1925/26 beschloss man an einer Versammlung den Verein zukünftig nur noch als „FC Bern“ zu bezeichnen und die altehrwürdige Benennung „FC Bern 1894“ wegfallen zu lassen. Diese Saison war erneut von einem Meilenstein geprägt: Im erstmals durchgeführten Schweizer Cup stiess der FC Bern dank Siegen über YB und Servette bis in den Cupfinal vor. Am 11. April 1926 verlor der FCB in Zürich gegen die Grasshoppers mit 1:2. 300 Berner Schlachtenbummler fuhren an diesem Tag mit einem Extrazug nach Zürich. Zu erwähnen bleiben zwei Ereignisse, die in diese Zeit fallen: Zum einen konnte die Sportplatzanlage Neufeld auf 44’400 m2 erweitert werden. Zum anderen wurde eine Saison später die „Leichtathletikkampfbahn“ der Untermieterin GGB feierlich eröffnet.